Vertreter des Landwirtschaftlichen Ortsvereins berichten im Gemeinderat

Im Zuge der Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 hat die CDU-Fraktion einen Bericht durch Vertreter des landwirtschaftlichen Ortsvereins in einer der nächsten Ratssitzungen beantragt. In der Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung vom 10. Dezember wurde daraufhin beschlossen, dass die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins die Möglichkeit bekommen, ihr vielfältiges Engagement im Bereich des Klima- und Umweltschutzes sowie der Lebensmittelversorgung im Gemeinderat vorzustellen. Diese Gelegenheit nahmen Klaus Sicking (Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins), Hermann-Josef Oergel (Ortslandwirt), Bernd Schwering (Vorsitzender der Landjugend) und Angela Schulze Tenbohlen (Vorsitzende der Landfrauen) zum Auftakt der ersten Rekener Ratssitzung des Jahres 2020 gerne wahr.

Bürgermeister Manuel Deitert (r.) begrüßt Angela Schulze Tenbohlen, Bernd Schwering, Hermann-Josef Oergel und Klaus Sicking (v.l.n.r.) im Gemeinderat.

Klaus Sicking stellte zum Einstieg in die Referatsrunde fest, dass es bei den Bauern wie auch in allen anderen Bereichen schwarze Schafe gäbe, dass man aber nicht alle Landwirte über einen Kamm scheren dürfe. Er berichtete über die aktuelle, in Reken sehr vielseitige Situation der Landwirtschaft mit nachhaltiger Tierhaltung unter Tierwohl-Gesichtspunkten, mit einem breit gestreuten Getreide- und Gemüseanbau verschiedenster Kulturen und Fruchtfolgen und mit der Möglichkeit des örtlichen Einkaufs bei Direktvermarktern. Er kritisierte die Politik, die keine klaren Vorgaben zum Beispiel in der Tierhaltung und auf dem Sektor Planungssicherheit schaffe und bemängelte des Weiteren den hohen Flächenverbrauch für Verkehrsmaßnahmen, Eigenheime und Gewerbeflächen.

Ortslandwirt Hermann-Josef Oergel, auch Vorsitzender der Wasserkooperation, referierte über die Themen Bio-Diversität und Wasserschutz und stellte fest, dass der Landwirtschaft in Reken zur Lebensmittelproduktion und damit zur Ernährung der Bürgerinnen und Bürger 50 Prozent der Gemeindefläche zur Verfügung stünden, wovon ein Viertel Grünland und Naturschutzgebiet sei. Er betonte, dass es keine Monokulturen in der Gemeinde gibt, sondern zahlreiche Fruchtfolgen und dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Düngung ausschließlich nach gesetzlichen Vorgaben erfolgt. Im Anschluss verdeutlichte der Landjugend-Vorsitzende Bernd Schwering die komplexe Ausbildung von Landwirten, von denen 40 Prozent keine Hofnachfolger und 10 Prozent bereits abgewandert seien. Er unterstrich wie seine Vorredner die Probleme mit den politischen Rahmenbedingungen und mit äußerst kapitalintensiven Investitionen.

Angela Schulze Tenbohlen rief die Treckerdemos mit Protesten gegen die Düngeverordnung in Berlin, Münster und Hamburg ins Gedächtnis und schilderte die aus ihrer Sicht nützlichen Besuche  der Rekener Landfrauen bei Julia Klöckner in Berlin, der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, sowie bei Ursula Heinen-Eser in Düsseldorf, der NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Sie forderte zukunftsfähige Perspektiven von der Politik, die Anerkennung der Landwirte durch die Verbraucher, die Abschaffung von Ramschpreisen, den Kauf regionaler Produkte sowie eine Aktualisierung der überalterten Lernmittel in puncto Landwirtschaft an Schulen und betonte, dass Landwirte nicht nur Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren, sondern auch Gewinne machen müßten, um leben zu können.

Nachdem sich die Fraktionsvorsitzenden aller im Gemeinderat vertretenen Parteien unisono für die ebenso intensiven wie interessanten Ausführungen der Vertreter des Landwirtschaftlichen Ortsvereins bedankt hatten, folgte eine Fragestunde und eine lebendige Diskussion mit detailliertem Nachhaken der Politiker und ausführlichen Antworten der Referenten. Zum Ausklang sprachen die Landwirte eine Einladung an alle Fraktionen, sonstige Gruppierungen, an Kitas und Schulen und generell an alle Bürgerinnen und Bürger aus, die verschiedenen bäuerlichen Betriebe in Reken zu besuchen und sich direkt vor Ort und mit eigenen Augen ein reales Bild von der Landwirtschaft zu verschaffen. Alle Interessierten seien jederzeit herzlich willkommen! (hh)