Mühlenbäcker laden ein zum Schaubacken

Auch Liebe zur Heimat geht manchmal durch den Magen: Der Heimatverein lädt am Sonntag, 22. August zum Schaubacken ins Heimatmuseum der Alten Mühle ein, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Gemeinde Reken. Stars dieses Events sind das historische „Backhues“ und die vier Mühlenbäcker. Ab 14 Uhr wird für die Besucher herzhaft aufgetischt: Es gibt leckere Schnittchen von knusprig-frischen Holzofenbroten, die die Bäcker aus dem bis zu 300 Grad heißen Steinofen ziehen.

Die Mühlenbäcker des Rekener Heimatvereins freuen sich aufs Schaubacken an der Alten Mühle: Jörg Lütkebohmert, Reiner Niehüsener und Günter Thies (v.l.n.r.).

Vor gut einem Jahr hat sich das ehrenamtlich tätige Quartett zusammengetan: die gelernten Bäcker Jörg Lütkebohmert, Raphael Niewerth, Günter Thies und ihr Heizer Reiner Niehüsener. Um im Bild zu bleiben: vier Rekener aus altem Schrot und Korn. Lütkebohmert, Bäckermeister und Konditor, hat das Handwerk bei der ehemaligen Groß-Rekener Bäckerei Wübbeling-Spans erlernt und Günter Thies damals über die Schulter geschaut. Thies wechselte später zu Vaut in Klein Reken, Raphael Niewerth wiederum lernte bei Jörg Lütkebohmert. Alle drei arbeiten heute in anderen Berufen.

Brot backen im „Backhues“ neben der „Ollen Mölle“ — das ist auch die Entdeckung der Langsamkeit. „Wir lassen den Teig für die Brotlaibe gut sechs Stunden bei Zimmertemperatur ruhen“, berichtet Lütkebohmert. Und Reiner Niehüsener ergänzt: „Bis der Ofen aufgeheizt ist, vergehen geschlagene vier Stunden.“ Regional ist nicht nur das Weizenmehl, das sie verarbeiten, sondern auch das drei Jahre abgelagerte Buchenholz für den Steinofen. Es verleiht dem Stuten das unverwechselbare Aroma.

Auf zwei Sorten Brot, jedes 750 Gramm schwer, darf sich der Besucher beim Schaubacken freuen: Das Mühlenbrot — eine Mischung aus Weizenmehl, Joghurt und Butter, Wasser und Hefe, Salz und Zucker — wird gut eine dreiviertel Stunde bei 300 Grad gebacken. Und mit dem Rosinenbrot verneigen sich die Mühlenbäcker vor dem verstorbenen Bäckermeister Rudolf Wiesweg, vielen Rekenern besser bekannt als „Possen Rudi“. Von ihm stammt das Rezept für den „Korinthenstuten“.

Rund 50 solcher leckeren Brote holen die Mühlenbäcker des Rekener Heimatvereins am 22. August aus dem Ofen.

Am besten schmeckt das Rekener Holzofenbrot mit dem klassischen Belag: lufttrockener westfälischer Schinken oder Käse. Ebenso gut als Brotaufstrich eignen sich Griebenschmalz und Marmelade. „Gute Butter“ darf auf keinen Fall fehlen. Was so frisch und duftend auf den Tisch kommt, erfordert gute Vorarbeit. Schon um 9 Uhr fangen die Mühlenbäcker an anzuheizen, und um 13 Uhr werden die ersten 25 Brote bei 270 Grad in den Ofen „eingeschossen“, damit sie pünktlich zur Mühlenöffnung fertig sind, Einschießen bedeutet in der Bäckersprache übrigens das Einlegen der Teiglinge in den Ofenraum mit Hilfe eines Schiebers. Am Nachmittag kommen weitere 25 Brote in den Ofen. Die Bäcker kalkulieren für beide Durchgänge mit jeweils 20 Kilogramm Teig.

Säen und ernten — das ist das Leitmotiv des bäuerlichen Freiluftmuseums, an das das Back-Event am Sonntag nahtlos anknüpft. Der Mühlenbeauftragte Georg Holthausen, der beim Anheizen tatkräftig mitanpackt, freut sich schon auf das Schaubacken. Denn das aus dem Sandheck stammende und schon vor fünfzig Jahren von Heinrich Röttgers und Günter Wübbeling auf dem Mühlenberg wieder aufgebaute Backhues sei alles andere als eine museale Dekoration. „Es gibt dem Heimatverein und seinen Mühlenbäckern die Möglichkeit, das alte Backhandwerk einem größeren Publikum vorzuführen.“

Abgerundet wird das Programm des Heimatvereins Reken durch Reinhard Limberg. Der Imker hält an der alten Windmühle mehrere Bienenvölker im so genannten „Immenschur“, außerdem betreut er den Bienenschaukasten, der die kleinen Besucher immer wieder begeistert. Besucher können bei ihm ein leckeres Gläschen „Mühlenhonig“ erwerben. Zum gastfreundlichen Reken tragen auch die Frauen der Mühlenbäcker bei. Sie servieren zum frischen Brot ein „Köppken Koffie“. (pi/hh)