Kein laues Lüftchen: Sommerwind in der Alten Kirche

Das Musikfestival „Summerwinds“ hat mit seinem Fokus auf Holzbläser ein Alleinstellungsmerkmal in der europäischen Kulturszene und präsentiert abwechslungsreiche Konzerte auf allerhöchstem Niveau. Seitdem das von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK) initiierte und durchgeführte Event im Jahr 2010 Premiere hatte, lockte es alle zwei Jahre - coronabedingt bis auf 2020 - renommierte Musikerinnen und Musiker sowie ein fachkundiges Publikum aus dem In- und Ausland an außergewöhnliche Austagungsorte des Münsterlandes. Beim mittlerweile sechsten, aus 50 hochkarätigen Konzerten an 43 sehr besonderen Spielstätten bestehenden Festivalzyklus war jetzt erstmals auch die 1187 eingeweihte Groß Rekener Wehrkirche beteiligt. Am dritten Juli-Freitag sollte das vielfach ausgezeichnete Duo Revelio mit Anissa Baniahmad an der Querflöte und Jesse Flowers an der Gitarre in Kooperation mit der Gemeinde Reken und dem Heimatverein in St. Simon und Judas gastieren.

Die Flötistin Anissa Baniahmad und der kurzfristig krankheitsbedingt eingesprungene Gitarrist Niklas Johansen gastieren im Rahmen des Musikfestivals „Summerwinds Münsterland“ in der Alten Kirche.

So sollte es jedenfalls sein, und darauf freuten sich über 100 Musikliebhaberinnen und -liebhaber in dem voll besetzten alten Gotteshaus. Das wirklich ein animierender Sommerwind durch die Kirche wehen konnte und kein laues Lüftchen daraus wurde, lag im Endeffekt an dem dänischen Gitarristen Niklas Johansen, der auf seinem geplanten Heimweg nach Kopenhagen auf Empfehlung des an Corona erkrankten Jesse Flowers kurzfristig einsprang und diesen ersetzte. „Bis vor wenigen Stunden habe ich Niklas überhaupt nicht gekannt“, teilt die Flötistin nach der Begrüßung durch die GWK-Leiterin Dr. Susanne Schulte und die Rekener Kulturbeauftragte Angelika Müller mit und erläutert, dass mehrere ursprüngliche vorgesehene Musikstücke ausgetauscht und der Personalsituation angepasst werden mussten. Um es vorweg zu nehmen: der „Ersatzmann“ Niklas Johansen machte seine Sache großartig und lag mit Anissa Baniahmad musikalisch auf einer Wellenlänge.

Die Summerwinds-Intendantin und GWK-Leiterin Dr. Susanne Schulte (l.) freut sich zusammen mit der Rekener Kulturbeauftragten Angelika Müller darüber, dass der Däne Niklas Johansen für den an Corona erkrankten Gitarristen Jesse Flowers eingesprungen ist und das Konzert in St. Simon und Judas „gerettet“ hat.

Den Beginn ihres Auftritts gestaltete das Duo mit den Stücken „Entr´Acte“ und „Piéce“ von Jacques Ibert. Es folgte das von Carl Nielsen komponierte Werk „Tagen Letter“, bevor der Gitarrist mit der Solodarbietung „L´eau“ von Martin Lohse sehr für sich einzunehmen wusste. Mit dem Andante aus dem „Gran duetto concertante“ von Mauro Giuliani ging es in die Pause, die Raimund Wolter vom Heimatverein für einen Vortrag über die Geschichte der Alten Kirche nutzte. Für die zweite Hälfte des Konzertes hatten Baniahmad und Johansen dann südamerikanische Rhythmen ausgewählt. Nach dem Stück „Libertango“ von Astor Piazzolla folgten die „Suite de los Buenos Aires“ von Claudia Montero und „Bachianas Brasileiras“ von Villa-Lobos sowie das Werk „Histoire du Tango“ von Astor Piazzolla. Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum bei dem ungewollt entstandenen Duo für einen tollen Musikabend. „Wir waren über die Jahre schon bei einigen Summerwinds-Konzerten dabei“, teilen die aus Raesfeld angereisten Cornelia Tusch und Beate Niehoff mit und ergänzen, dass sie von der Musik wie von der Umgebung wie selten zuvor begeistert gewesen seien. (hh)