06.06.2019

Wickeln, füttern und beschmusen!

Im Europaraum der Sekundarschule Hohe Mark war in den letzten Tagen richtig was los, vor allen Dingen die Geräuschkulisse für diesen Ort doch recht ungewöhnlich. Acht muntere Babys machten ganz schön Randale, wollten gefüttert, gewickelt und beschmust werden und hielten ihre 15jährigen Mütter mächtig auf Trab. 15jährige Mütter? Nun, nicht wirklich, sozusagen nur zum Ausprobieren. Bei einem dreitägigen „Elternpraktikum“, an dem freiwillig acht Mädchen der 10er-Klassen des Bahnhof Rekener Schulzentrums teilnahmen, wurde ein absolut realistischer Eindruck vom täglichen Leben mit einem Kleinkind vermittelt.

Nach drei Tagen mit ihren Babys sind diese beiden Zehntklässlerinnen und „Mütter“ etwas abgekämpft, aber immer noch gut gelaunt.

Dazu Monique Buß und Kirsten Radau vom Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenkreises Borken sowie die Rekener Schulsozialarbeiterinnen Angela Saidi und Anna Höing: „Der sexualpädagogische Kurs ist sehr lebensnah und stellt hohe Anforderungen an die jungen Leute, die schon nach kurzer Zeit richtig geschafft und müde sind.“ Zum Start des ungewöhnlichen Praktikums erhielten die acht „Mütter“ täuschend echt aussehende, per eingebautem PC gesteuerte so genannte RealCare-Babys, die ihre Bedürfnisse lautstark rund um die Uhr verkündeten und wie echte Säuglinge versorgt werden mussten.

Rektor Jochen Grosfeld (l.) und Beate Odenthal (2.v.l.) von der Schulleitung der Sekundarschule Hohe Mark mit den acht Teilnehmerinnen am „Elternpraktikum“ sowie den Kursleiterinnen Monique Buß (hinten r.) und Kerstin Radau (Mitte r.).

Vormittags wurden die „Mütter“ in der Schule über solche Themen wie Sexualität, Verhütung, Teenager-Schwangerschaft, Vernachlässigung, Kosten und die Bedürfnisse eines Kindes informiert. Danach ging es dann mit den Babys per Kinderwagen oder Maxi-Cosi nach Hause, zum Einkaufen, zu Treffen mit anderen Jugendlichen oder einfach zum Chillen auf der Couch. Ruhig war es während der drei Tage nie, wie die jungen Damen verraten: „Wenn das Baby im Supermarkt losschreit und man von den Älteren ganz komische Blicke erhält, dann ist das echt nicht lustig. Und das Durchschlafen kann man auch vergessen.“

Auch gefüttert werden müssen die „RealCare-Babys“ - wenn nicht, wird lauthals geschrien!

Es gab aber auch lustige Erlebnisse. So fing der Säugling von Anna während einer Französisch-Klausur lauthals an zu schreien und mußte von der Lehrerin Natalia Buchholz beruhigt werden, was natürlich für große Heiterkeit im Klassenzimmer sorgte. Einig waren sich zuletzt alle „Probier-Mütter“, wie Angela Saidi mitteilt: „Alle wollen erst eine Ausbildung machen und auf eigenen Beinen stehen, bevor sie später möglicherweise einmal an die Familienplanung denken.“ Zum Abschluss des Praktikums gab es Zertifikate, und die beiden Kursleiterinnen aus Borken sind rundum zufrieden: „Das Auslesen der Software ergab, dass die Babys von allen nahezu perfekt versorgt worden sind!“ (hh)