09.04.2019

Erinnerungen an die Overbergschule

Mit dem Thema „Erinnerungen an die Rekener Overbergschule“ befasste sich die April-Proaloawendrunde der Rekener Heimatfreunde im Haus Uphave. „Wi häbbt dat Krippken vull“, stellte Vereinsvorsitzenden Bernd Hensel nach der Begrüßung beim Blick in die Runde der Besucherschar fest, bevor er das Mikrophon an Georg Meirick weitergab. Der ehemalige Lehrer, Konrektor und später auch Rektor der damaligen Overbergschule war angetreten, Interessantes, Heiteres und Nachdenkliches über die vor 50 Jahren ins Leben gerufene Hauptschule in Reken zu erzählen.

Das erste Lehrerkollegium der neu errichteten Overberg-Hauptschule im Jahr 1968.

Meirick begann seinen Vortrag zunächst mit den Umwälzungen in der Rekener Schulgeschichte in den Jahren 1966 bis 1968: Die kleinen ein- und zweiklassigen Zwergschulen sowie die Volksschulen mussten zugunsten der neuen Schulformen (Grund- und Hauptschule) aufgelöst und gleichzeitig der Schuljahresbeginn umgestellt werden. Mit dem Bau eines großen Gebäudekomplexes konnte 1968 im Ortsteil Groß Reken die erste und einzige Hauptschule Rekens eingeweiht werden. Sie erhielt den Namen „Overbergschule“. Meirick konnte zur Freude einiger ehemaliger Schülerinnen und Schüler aus der damaligen Zeit ein Foto vom ersten Lehrerkollegium der Overbergschule zeigen.

Georg Meirick, ehemaliger Rektor der Overbergschule, bringt im Sommer ein Buch über die Geschichte der Overbergschule heraus.

Zahlreich waren am Proaloawend auch ehemalige Lehrer ins Uphave-Haus gekommen, um den Worten ihres damaligen Chefs zu lauschen. In seinem Bericht ging Meirick auch auf die in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts einsetzende Bildungsoffensive ein, in der für einen qualifizierten Hauptschulabschluss das 10. Schuljahr eingeführt wurde. Hierfür hatte sich der damalige und erste Rektor der neuen Hauptschule, Josef Hengemühle, eingesetzt. Schülerinnen und Schüler konnten nunmehr auch in der Hauptschule die „Mittlere Reife“ und damit den Realschulabschluss erlangen. Meirick kam ins Schwärmen, als er ein Portrait von Josef Hengemühle skizzierte. Nach Meiricks Worten war Josef Hengemühle nahezu ein perfektes Vorbild für Lehrer und Schüler während seiner ganzen pädagogischen Laufbahn.

Beim Thema „Schulalltag“ hob Georg Meirick insbesondere hervor, dass es sich die Rekener Hauptschule durch Projektunterricht  und Betriebspraktika auf die Fahne geschrieben hatte, die ständig steigende Zahl der Schülerinnen und Schüler auf ihren späteren Berufswunsch gut vorzubereiten. Mitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde dann durch einen Rückgang der Schülerzahlen, hervorgerufen durch die geburtenschwachen Jahrgänge, aus dem Lehrermangel plötzlich eine Lehrerschwemme.

Bei seinem Rückblick auf die bewegten 50 Jahre der Rekener Hauptschule unterließ es Meirick natürlich nicht, auch auf Nachdenkliches aus der zurückliegenden Zeit hinzuweisen. Insbesondere die Beschlagnahme der Turnhalle der Overbergschule zwecks Unterbringung von Asylbewerbern war für die Hauptschule in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung: der Turnunterricht musste in die Großsporthalle und in abgespeckter Form verlegt werden; die Zahl der zu beschulenden Kinder der Asylbewerber wuchs unter den Schwierigkeiten fehlender Deutschkenntnisse fast täglich. Der in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts beginnende Schüleraustausch mit einer Schule der kroatischen Küstenstadt Pula auf den Halbinsel Istrien brachte auch die Grausamkeiten zu Tage, die sich Anfang der 90er Jahre durch die Balkankriege (Auflösung des Staatsgebildes Jugoslawien) ereigneten.

Meirick wollte es in seinem Vortrag nicht versäumen, auch auf die vielen Leistungen von Elterninitiativen hinzuweisen. Lustige Begebenheiten fehlten im Bericht des ehemaligen Schulleiters der Overbergschule ebenfalls nicht. Er fand dabei große Unterstützung anwesender Lehrer aus seinem früheren Kollegium. Am Ende seiner Ausführungen wies Georg Meirick darauf hin, dass er im zeitigen Sommer dieses Jahres ein Buch über die Geschichte der Overbergschule herausbringen wird, das den Titel „Erinnerungen an eine gute Hauptschule“ tragen wird. Ein erstes Probeexemplar konnte er den anwesenden Proaloawendbesuchern bereits zeigen. (pi/hh)