18.07.2019

Anbau für Aktenvernichtung bald bezugsfertig

Die Aktenvernichtung in der Werkstatt für behinderte Menschen des Benediktushofes bekommt zurzeit einen neuen, rund 150 Quadratmeter großen Anbau. Grund: Die bisherigen Räumlichkeiten innerhalb der Metallhalle in der Straße Am Kloster reichen nicht mehr aus. Es fehlt unter anderem an Lagerraum für die bis zu 490 Kilogramm schweren Ballen aus geschreddertem Papier. „Diese mussten in der Vergangenheit in der Haupthalle oder an anderer Stelle gelagert werden, bis sie vom lokalen Entsorger abgeholt wurden“, berichtet Annika Müller. Seit zwei Jahren leitet die 33-Jährige die Gruppe „Aktenvernichtung“ im Benediktushof und hat genug zu tun.

Beschäftigte und Gruppenleiterin der Aktenvernichtung der Werkstatt für behinderten Menschen in Maria Veen.

Die Nachfrage sei in den letzten Jahren stark angestiegen, bestätigt Werkstattleiter Jürgen Böbisch. Das hängt mit der Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union zusammen, die 2018 in Kraft getreten ist und den Schutz personenbezogener Daten in der EU sicherstellen soll. Zumeist sechs bis sieben Frauen und Männer mit Behinderung sind von morgens bis zum Feierabend in der Aktenvernichtung beschäftigt. In einem separaten Bereich der Metallhalle, der nur von „berechtigten Personen“ betreten werden darf, vernichten sie unter Anleitung von Annika Müller tonnenweise Papier und andere Datenträger wie CDs, Disketten, Festplatten oder Handys. Das Material stammt von Geschäfts- und Privatkunden aus dem gesamten Münsterland und aus dem Ruhrgebiet. Es gelangt per Lkw auf Paletten und in gesicherten Alubehältern nach Maria Veen.

Der Anbau der Aktenvernichtung ist bald bezugsfertig

Die Arbeit ist nicht ohne, sagen die, die in der Aktenvernichtungshalle und am Papier-Förderband arbeiten. Ins Fitness-Studio muss keiner gehen, der hier beschäftigt ist. Willkommener Neben-Effekt nicht nur für die jungen Männer: Die Bizepse wachsen von ganz alleine. Neben ihrer Körperkraft müssen die Beschäftigten auch Verschwiegenheit und Diskretion mitbringen, schließlich gehen sie mit sensiblen Daten um. „Wer hier arbeitet, wurde vorher entsprechend geschult“, betont Annika Müller. Die gelernte Heilerziehungspflegerin schätzt an ihrer Arbeit besonders, dass sie sehr abwechslungsreich ist. Neben pflegerischen und pädagogischen Fähigkeiten spielen in ihrem Job auch Technik, Planung und Logistik eine wichtige Rolle. Beispielsweise organisiert sie auch den Lkw- und Bulli-Transport aller produzierten Waren, die aus der Werkstatt zu den Kunden gebracht werden müssen.

In rund vier Wochen wird der rund 120 000 Euro teure Anbau der Aktenvernichtung bezugsfertig sein. Ein Teil der neuen Fläche soll künftig auch vom sogenannten „Vorrichtungsbau“ der Werkstatt genutzt werden. Dabei handelt es sich um einen Arbeitsbereich, in dem Abteilungsleiter Stephan Schöttler Maschinen, Vorrichtungen und Hilfsmittel entwickelt, die speziell von Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen bedient werden können. Die Auslagerung des Vorrichtungsbaus wird in der großen Metallhalle für mehr Raum und weniger Lärm sorgen, freuen sich die Werkstatt-Beschäftigen. In der gesamten Metallhalle inklusive Aktenvernichtung arbeiten zurzeit 34 Beschäftige und ihre Gruppenleiter. (pi/hh)