05.02.2019

»Bewegte Schulzeit«

„Bewegte Schulzeit“ – Mit diesem Thema befasste sich die Proaloawendrunde der Rekener Heimatfreunde im Haus Uphave. Alle Anwesenden hatten hierbei Gelegenheit, in humorvoller, aber auch in ernster Weise die Erlebnisse aus der eigenen Schulzeit zum Besten zu geben. Und hiervon machten die heimatverbundenen Rekener regen Gebrauch.

Lehrerkollegium der Volksschule Groß Reken aus dem Jahre 1905: Lehrer Hartmann, Fräulein Stallheinrich, Fräulein Maria Dierse, Hauptlehrer Terboven und Fräulein Rickert (v.l.n.r.).

Vorab ließ der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernd Hensel, Erkenntnisse aus alten vorhandenen Büchern und Schriften aus der Schulzeit des vergangenen Jahrhunderts Revue passieren. In einer PowerPoint-Präsentation rief Hensel das Schulsystem und die im vorigen Jahrhundert vorhandenen Schulen in Reken in Erinnerung. Dabei kamen insbesondere auch die Zwergschulen zur Sprache. Berühmtes Beispiel hierfür war das im Wald gelegene Schulhaus in der Bauernschaft „Bollengraben“, in der alle 8 Volkschuljahrgänge in einem Klassenraum und von einem Lehrer unterrichtet wurden. Bis in die heutige Zeit hat sich für diese Schule in Reken der Name „Walduniversität“ gehalten.

Schwimmunterricht der Klein Rekener Volksschule in Eversmanns Teich.

In der Kaiserzeit  des vorigen Jahrhunderts war vor allem der Geburtstag Wilhelm II (27. Januar) ein wichtiges Schulereignis. Tage vorher mussten die Klassenräume geschmückt werden. In der Schulfeier selbst wurden Ansprachen und Lobreden auf „Seine Majestät“ gehalten und das Singen von Liedern mit kaiserverherrlichenden Inhalts bildete den Abschluss. Nach dieser Prozedur war schulfrei. Aus der Kaiserzeit stammt auch noch die Einführung der Sütterlinschrift (1915), die schließlich 1941 von den Nazis verboten wurde.

Durch das NS-Regime im „Dritten Reich“ verstärkte sich die ideologische Umgestaltung des Schulunterrichtes. Der Geschichtsunterricht sollte sich auf die deutsche Geschichte und die der „nordischen Rasse“ beschränken. Im Biologieunterricht wurden „Vererbungslehre“ und „Rassenkunde“ eingeführt. NS-Symbole wie Hakenkreuze, Fahnen, Fahnenappelle, Hitlerporträts und Hitlergruß prägten immer mehr den Schulalltag.

Strenge Disziplin und harte Strafen bereits für kleinste Vergehen kennzeichneten den damaligen Schulalltag. Mit zum Teil harten Strafen wie Ruten- und Stockschlägen versuchten die Lehrer ihre Vorstellungen von „Zucht und Ordnung“ durchzusetzen. Aus einigen Erzählungen der Proaloawendbesucher war zu entnehmen, dass die Schüler den berühmten Schlagstock des Lehrers oftmals selbst anfertigen mussten. Bis zu Beginn der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts bestand in der Bundesrepublik Deutschland ein Züchtigungsrecht für Lehrkräfte an Schulen gegenüber den ihnen zur Erziehung anvertrauten Schülern.

In der lebhaften Diskussion waren bei den Proaloawendbesuchern sehr schnell auch die Namen vieler Lehrer und Lehrerinnen aus der damaligen Zeit in aller Munde. Die genannten Lehrkräfte hatten ihre Eigenarten und Marotten, die den Proaloawendbesuchern noch gut in Erinnerung waren. Johannes Weber, der Begründer des „Aufbauzuges“ als Vorläufer der späteren Realschule in Reken, erhielt in der Diskussion um die Charaktereigenschaften des Lehrkörpers aus damaliger Zeit eine bevorzugte Stellung. Als verdienter Marineoffizier im Zweiten Weltkrieg (Korvettenkapitän) brachte Rektor Weber vor allem die Seemannssprache in den Ablauf des Unterrichtsgeschehens: „So lange ich Kapitän an Bord bin“ (hieß übersetzt: „Solange ich Rektor dieser Schule bin). oder: „Bullaugen auf!“ (hieß übersetzt: „Fenster auf!“).   

Einig waren sich die Besucher des heimatlichen Proaloawends schließlich darin, dass eine gute Erziehung noch bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hauptsächlich auch eine strenge Erziehung war. Die Schüler hatten auf jeden Wink zu gehorchen, mussten Befehle des Lehrers „rasch, sicher und geräuschlos“ aufführen. Aber, so kam die Erzählerschar im Haus Uphave in einem gemeinsamen Abschlussresümee und mit einem Hauch von Stolz überein, dass in den damaligen Volksschulen trotz der Unzulänglichkeiten „alle viel gelernt hätten“. (pi/hh)