»Reparieren statt Wegwerfen« nach wie vor gefragt

Das im September 2019 gestartete Repair Café in Reken erlebte auch in 2021 – trotz oder gerade wegen Corona – großes Kundeninteresse und viel Zulauf. „Reparieren statt Wegwerfen“ erfreute sich großer Beliebtheit und erfuhr eine hohe Resonanz. 270 Reparaturaufträge konnte das Ehrenamtsteam annehmen, obwohl wegen Corona nur insgesamt sechs Reparaturtreffs für Kunden zugänglich waren. Auch Kleiderspenden für die Kolpingsfamilie Groß Reken als Träger des Repair Cafés – Adolph Kolping war bekanntlich ja Handwerksgesell - wurden auf dem Vorplatz angenommen.

Im September 2019 präsentiert sich das mittlerweile auf 25 Personen angewachsene Repair Café-Team bei einem letzten Praxistest wenige Tage vor der Eröffnung.

„Ein besonderer Dank gilt der Gemeinde Reken, die dem Repair Café unentgeltlich ideale Räumlichkeiten bereitstellt und auch sonst stetige Unterstützung gewährt“, betont der Projekt-Initiator Hubert Breuer und teilt weiterhin mit: „Auch dem Land NRW gilt ein herzliches Dankeschön. Das Repair Café Reken wurde im April als ein „Leuchtturmprojekt“ ausgezeichnet und mit einer ansehnlichen Geldspende bedacht. Zusätzlich wurde dazu Ende Juni ein Imagefilm vor Ort gedreht und dem Team übergeben. Natürlich dankt das Team vor allem den vielen Kunden für ihr Kommen und ihre Geldspenden.“

Wegen des Corona-Lockdowns blieb die Werkstatt im Vereins- und Bildungszentrum in Groß Reken bis Mai geschlossen. Planmäßig wäre das Repair Café immer am letzten Samstag im Monat von 11 bis 14 Uhr geöffnet gewesen. So konnten Kunden erst am 29. Mai 2021 wieder defekte Gegenstände abgeben. Der Werkstatt-Zutritt und die Mithilfe bei der Analyse und Reparatur waren allerdings nach den Corona-Regeln in 2021 nicht möglich. Auch das Café-Angebot musste teilweise eingestellt respektive ins Freie verlagert werden.

Die Vielzahl der Aufträge und der abgegebenen defekten Gegenstände war überwältigend. Sie konnten in den jeweils 3-stündigen Reparaturtreffs nicht bewältigt werden. Deshalb legte das Team zusätzlich fünf abendliche Sonderschichten ein. Beim letzten Repair Café 2021 wurde gar auf eine weitere Geräteannahme verzichtet. Im Kundeninteresse sollte erst das Gerätelager bis Jahresende ausgeräumt werden.

Das Kundenangebot war wieder sehr vielfältig, überaus herausfordernd und manchmal überfordernd. Die beiden Messerschleifer gaben gut 360 Messer, Scheren und Heckenscheren wieder eine scharfe Klinge. Spitzenreiter bei den Elektrogeräten waren 18 Nähmaschinen, 16 CD-Player/-Radios, 9 Staubsauger, 9 Bohrmaschinen/-hämmer, 8 Kaffeemaschinen und 7 Küchenmaschinen. Dazu kamen viele weitere Geräte wie z.B. Bügeleisen, Föhns, Mixer, Aufschnittmaschinen, Hörncheneisen, Tacker, Flex, Heckenscheren, Schleifer, Mikrowellen und Ladegeräte. Selbst Exoten wie Aktenvernichter, Beamer, Dia-Projektoren, Handkreissägen, Schweißgeräte und Kompressoren fanden Eingang in die Werkstatt. Auch die Näherin im Team hatte viele Kleidungsstücke und Textilien zu flicken, Reißverschlüsse einzunähen und sogar Zeltplanen zu reparieren. Knapp 60 % aller Geräte konnten wieder voll funktionsfähig den Eigentümern übergeben werden, wenn auch manchmal mit Verzug. Diese bedankten sich meistens mit einer großzügigen Geldspende.

Manchmal jedoch mussten auch die Reparaturexperten passen. Wenn Hersteller die Herausgabe von Ersatzteilen verweigern, die Düsen bei Druckern verklebt sind, Kaffee-Vollautomaten sich nicht ohne Beschädigung öffnen lassen, Fernseher ein fundiertes Elektronik-Knowhow nebst Spezialwerkzeug erfordern oder bei Geräten mit Wasseranschluss (z.B. Hochdruckreiniger, Pumpen) ein Praxistest nicht möglich ist, dann sind auch die versierten Reparateure machtlos. Diese Geräte sollen ab 2022 auch nicht mehr im Repair Cafe angenommen werden.

Das nächste Repair Cafe ist für Samstag, den 29. Januar 2022 von 11 bis 14 Uhr geplant, wenn Omikron es erlaubt. Das aktuell 25-köpfige Repair-Team  würde sich auch über weitere Verstärkung freuen. Freiwillige Helferinnen und Helfer für Empfang, Café und Kundenbetreuung sowie Elektroniker, Techniker und versierte Tüftler für die Werkstatt sind immer herzlich willkommen. „Reparieren statt Wegwerfen“ ist ökologisch und ökonomisch überaus sinnvoll. Außerdem gibt es dabei viele positive soziale Effekte wie Spaß, Unterhaltung, Learning bei Doing, Teamarbeit sowie Stolz und Genugtuung über erfolgreiche Hilfe am Nächsten. (pi/hh)