Neues Feuerwehrfahrzeug heißt »Samuel« (Silberschmidt)

Die Feuerwehr Reken mit ihren Einheiten Groß und Klein Reken sowie Maria Veen verfügt über 19 Einsatzwagen verschiedenster Kategorien. Erst im Februar in Dienst gestellt wurde ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) mit einer Löschleistung von 2000 Litern Wasser pro Minute, das sich im Brandfall stets als Erstausrücker auf den Weg zu den Unglücksstellen macht. Nach coronabedingten Verzögerungen wurde das Fahrzeug im Anschluss an einen im Zeichen der Rekener Wehr stehenden Festgottesdienst in St. Heinrich am zweiten September-Samstag von Pastor und Feuerwehrmann Thomas Hatwig eingesegnet und auf den Namen „Samuel“ getauft.

Ein kleines Schildchen auf der Motorhaube macht es deutlich: das neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) der Rekener Feuerwehr heißt „Samuel“.

„Der Name ‚Samuel‘ geht zurück auf den 1881 in Groß Reken geborenen Samuel Silberschmidt, einem Mitbürger jüdischen Glaubens. Der aus einer angesehenen Familie stammende Viehhändler war Mitbegründer der Rekener Feuerwehr, glühender Anhänger des Kaiserreichs, als überzeugter deutscher Patriot während des gesamten ersten Weltkriegs Soldat und danach bis 1919 britischer Kriegsgefangener“, berichten Georg Meirick und Ulrich Hengemühle vor der Segnung und fahren fort: „Dieser Mann und dessen Familie wurde wie alle Juden auf Druck der Rassisten ab 1933 systematisch aus dem Rekener Dorfleben ausgeschlossen, mußte die Feuerwehr im selben Jahr ebenso wie Hermann Levinstein verlassen. Ihm und allen anderen jüdischen Mitbürgern in Reken wurde durch die Nazis großes Unrecht und ein unmenschliches Schicksal zugefügt.“

Nach der Taufe segnet Pastor und Feuerwehrmann Thomas Hatwig den als Erstausrücker eingesetzten Einsatzwagen.

Nach weiteren mitfühlenden und erklärenden Worten durch Pastor Thomas Hatwig und Bürgermeister Manuel Deitert sowie dessen Dankeschön an Georg Meirick und Ulrich Hengemühle für die Aufklärung über das Schicksal von Samuel Silberschmidt erläutern die beiden Vortragenden, warum das Etikett  „Samuel“ auf der Motorhaube des neuen Feuerwehrfahrzeugs aus ihrer Sicht gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist: „Dieses Schildchen ist ein kleines Bollwerk gegen einen erneuten Flächenbrand von Rassismus und Ausgrenzung, den keine Feuerwehr mehr löschen könnte - er lodert auf im Handumdreh'n und ist auf einmal Weltgescheh'n.“ (hh)

Ganz im Zeichen der Rekener Wehr steht der Festgottesdienst in St. Heinrich am zweiten September-Samstag.

Georg Meirick (l.) und Ulrich Hengemühle (r.) berichten über das unmenschliche Schicksal von Samuel Silberschmidt, Mitbegründer der Feuerwehr Reken.