15.06.2020

Kompromiss zum Thema »Gedenken an Rekener Holocaust-Opfer«

„Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus darf im Vorfeld der in rund drei Monaten anstehenden Kommunalwahl nicht für Wahlkampfzwecke missbraucht werden. Deshalb mahne ich eine absolut würdevolle Behandlung des sensiblen Themas an!“ Mit diesem nachdrücklichen Appell an die Mitglieder des Haupt- und Finanzauschusses eröffnete Bürgermeister Manuel Deitert am zweiten Juni-Mittwoch die Aussprache über unterschiedliche Anträge der Fraktionen CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen zur Schaffung bleibender Erinnerungen an die Rekener Holocaust-Opfer.

„Gegen das Vergessen“ - an der Groß Rekener Hauptstraße in der Nähe der einstigen Synagoge steht dieses Mahnmal zur Erinnerung an die jüdischen Rekener.

Folgende fünf Eingaben lagen vor: „Widmung neuer Straßen nach den Namen von Menschen, die in Reken während der NS-Zeit verfolgt wurden oder sich aktiv gegen den Nationalsozialismus gestellt haben“ (SPD) - „Einrichtung eines Fonds gegen Rechtsextremismus“ (SPD) - „Umbenennung des Marktplatzes in Groß Reken in Levinsteinplatz“ (CDU) - „Verlegung von Stolpersteinen in Reken“ (SPD und Die Grünen) - „Rücknahme und Distanzierung vom Nachruf des Amtes Heiden-Reken für den ehemaligen Amtsbürgermeister Franz Bösing“ (SPD und Die Grünen).

Nachdem sich die aus den Anträgen ergebende Diskussion bereits nach kurzer Zeit durchaus kontrovers und wenig zielführend entwickelte, forderte der Gemeindechef alle Fraktionen zur Kompromissbereitschaft auf und regte dringend eine parteiübergreifende Lösung sowie einen daraus resultierenden Antrag an. Nach einer zehnminütigen, vom Bürgermeister vorgeschlagenen und von allen Parteien befürworteten Sitzungspause einigten sich die Fraktionen dann tatsächlich auf eine von allen getragene Vorgehensweise und auf eine gemeinsame und einstimmig abgesegnete Empfehlung an den Gemeinderat.

Dazu trug der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Köhne im Namen aller Damen und Herren des HFA vor: „Allen Fraktionen des Gemeinderates in Reken ist es wichtig, ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus und für eine Erinnerungskultur im Umgang mit den Opfern des Nationalsozialismus zu setzen. Um diesem Ziel Rechnung zu tragen, sind viele Maßnahmen denkbar, eine davon ist mit dem Beitritt zum Riga-Komitee schon auf den Weg gebracht worden. Diese Maßnahmen sollten aber aufeinander abgestimmt und mit den Opfern der NS-Schreckensherrschaft oder deren Nachkommen abgesprochen sein. Gerade bei diesem sensiblen und wichtigen Thema möchten wir auf die Expertise der Menschen in Reken vertrauen, die sich noch detaillierter und mit großem persönlichem Engagement mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Der Rat bittet den Heimatverein, weitere Vorschläge zu erarbeiten und diese, wenn möglich, auch mit den Opfern der NS-Zeit oder deren Nachkommen abzustimmen. Wir bitten, hierbei die Ideen zur Verlegung von Stolpersteinen, zur Widmung von Straßen, Plätzen und Gebäuden zu betrachten, die praktische Umsetzung dieser Maßnahmen zu planen und dem Gemeinderat entsprechende Vorschläge zu unterbreiten.“

Beschlussempfehlung an den Gemeinderat:

  • Der Rat bittet den Heimatverein, Vorschläge zu erarbeiten, und diese, wenn möglich, auch mit den Opfern der NS-Zeit oder deren Nachkommen abzustimmen. Wir bitten hierbei, die Ideen zur Verlegung von Stolpersteinen, zur Widmung von Straßen, Plätzen und Gebäuden zu betrachten, die praktische Umsetzung dieser Maßnahmen zu planen und dem Gemeinderat entsprechende Vorschläge zu unterbreiten.
  • Eine Delegation aus Schülern, Politik und Verwaltung wird zur Einweihung der Stele nach Riga entsendet. Zudem werden den Schulen nochmals Informationen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie des LWL zu Gedenkstätten und Museen im näheren Umfeld zur Verfügung gestellt.
  • Alle im Rat vertretenen Fraktionen distanzieren sich aufgrund neuer Erkenntnisse vom vor 60 Jahren abgedruckten Nachruf des Amtes Hei-den/Reken bezüglich des damaligen Amtsbürgermeisters Bösing.
  • Weiterhin sind sich alle Fraktionen im Rat einig, im Zuge der Haushaltsberatungen einen entsprechenden Fonds zur Bekämpfung des Extremismus im nächsten Haushaltsplan einzurichten.

Manuel Deitert, der sich sehr erleichtert über den gefassten Kompromiss zeigte, beendete den Tagesordnungspunkt mit den Worten „Ich bin stolz auf alle Mitglieder des Haupt- und Finanzauschusses!“ (hh)