08.05.2020

Ein Fleck der Geschichte - der Holocaust in der Gemeinde Reken

Pädagogische Mitarbeiter des Jugendzentrums AREA48734 haben die Corona-Zeit für eine intensive Projektarbeit mit Jugendlichen aus der Gemeinde Reken genutzt. Ein Ergebnis dieser Aktion ist der am Freitag, 8. Mai erschienene Dokumentarfilm „Ein Fleck der Geschichte – Der Holocaust in Gemeinde Reken“. Dieser Film wurde von Mitgliedern der im April 2019 aus einem Kooperationsangebot des Heimatvereins und des Historikers Hengemühle entstandenen Arbeitsgruppe  „Jüdisches Leben in der Gemeinde Reken“ über die letzten Monate bis Anfang Mai erstellt. Als Grundlage für den Film wurden die Quellen von Ulrich Hengemühle und Georg Meirick sowie des Heimatvereins Reken und der Borkener Zeitung genutzt.

Ehemaliges Gebetshaus der jüdischen Gemeinde Reken im Ortsteil Groß Reken.

Der Arbeitsprozess war intensiv und stellte die Sozialarbeiter des Jugendwerks der Gemeinde Reken vor eine neue Herausforderung. Der 8. Mai als Datum für die Veröffentlichung des Films wurde von den beteiligten Jugendlichen Anna-Lena (17), Lukas (17), Leon (15), Omar (16), (Samuel (17) und Raik (21)  übrigens nicht ohne Grund gewählt - es ist „der Tag der Befreiung“. Ab diesem Tag ist der Film auf dem YouTube-Kanal des Jugendzentrums (https://youtu.be/f-Mx0rnxplI) und ab Montag, 11.05. auch auf der Internetseite (https://area.reken.de/) für alle Interessierten online zu sehen. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich den Film im Jugendzentrum AREA48734 auf einen Datenträger kopieren zu lassen.

Anlässlich der Veröffentlichtung steht der Projektleiter und pädagogische Mitarbeiter des AREAs, Marvin Buchecker, am Freitag, 8. Mai 2020 in der Zeit von 16-17 Uhr für Rückfragen und Hintergründe zum Projekt per Videochat via Viber zur Verfügung. Die Zugangsdaten sind unter der dienstlichen Handynummer 0152/51053537 erhältlich.

„Wie alle anderen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) mussten wir aufgrund der Corona-Pandemie zum 13. März schließen. Wir mussten daher schnell neue Strukturen entwickeln und aufbauen, mit denen wir weiter unsere Projektarbeit, aber auch die Digitalisierung der OKJA in unserer Gemeinde voranbringen konnten. Daher wurde Equipment angeschafft und konzeptionell gearbeitet. Ab Anfang April konnten wir dann über digitale Einzelarbeit und Videokonferenzen mit den Projekteilnehmern an dem Film weiterarbeiten“, erläutert Marvin Buchecker vom AREA-Team.

Anna-Lena (17) ist Sprecherin im Film und hat vorrangig auch die dramaturgische sowie die inhaltliche Entwicklung des Drehbuchs mitgestaltet und umgesetzt.

 

Und was die Jugendlichen der Arbeitsgruppe geleistet haben, hat es tatsächlich zuvor noch nicht hier gegeben. Mit der Hilfe des Historikers Ulrich Hengemühle, des ehemaligen Schuleiter der Overberg Hauptschule Georg Meirick, des Heimatvereins und der pädagogischen AREA-Mitarbeiter haben sie das Schicksal der jüdischen Rekener von 1933 bis heute aufgearbeitet. Den Teilnehmern war es wichtig, den jüdischen Rekenern wieder ein Gesicht zu geben! Und ein Kapitel in unserer Gemeindegeschichte zu beleuchten, dass nicht vergessen werden darf. „Der heutige Umgang mit der Rekener Vergangenheit wird zukünftige Rekener prägen“ so die 17-jährige Projektteilnehmerin Anna-Lena.

"Die aktuelle Situation lässt leider eine größere Veröffentlichung nicht zu. Sowohl der Heimatverein als auch das Jugendhaus AREA48734 möchten bei einer gemeinsamen Veranstaltung den Dokumentarfilm einem größeren Publikum präsentieren. Leider kann hierfür noch kein Termin festglegt werden", so der Projektleiter und pädagogische Mitarbeiter des AREA48734, Marvin Buchecker.

˃ Vorab ist der Film dem in Australien lebenden Dr. John Roberts zugesandt worden. Er ist der Sohn von Johanna Levinstein, einer jüdischen Rekenerin, die den NS-Terror in der Gemeinde Reken überlebte und nach Australien auswanderte. Der Arbeitsgruppe war es wichtig, dass Dr. Roberts entscheidet, ob der Film veröffentlicht wird.

Sein Kommentar: „Darf ich den Machern des Dokumentarfilms zunächst ein Kompliment zur Qualität der Produktion machen? Es ist bemerkenswert, dass junge Menschen so viel erreicht haben. Die Wiederholung der Geschichte, wie wir sie zuvor besprochen haben, ist wichtig, um zu verhindern, dass solche Schrecken in der Zukunft auftreten - die menschliche Natur hat jedoch zweifellos die Fähigkeit, schreckliche Dinge zu tun. Ich hoffe, dass solche Filme und die Ausbildung der nächsten Generation solche Verfolgungen aller Menschen weniger wahrscheinlich machen.

Ich denke, es ist wichtig, Fotos meiner Familie zu zeigen (wie in diesem Dokumentarfilm), die im Rathaus hängen. Sie leisteten einen Beitrag zum Kampf für ihren Kaiser und ihr Vaterland im Ersten Weltkrieg, ebenso wie viele Juden. Tatsächlich kämpfte und starb ein größerer Teil der deutschen Juden für ihr Land als die nichtjüdische Bevölkerung, was das Phänomen des deutschen Antisemitismus noch unverständlicher macht. Wenn ich in Deutschland bin, habe ich das Gefühl, dass die Menschen, die ich treffe, mich in Bezug auf ihre Interessen und Werte an meine Familie erinnern, was es unmöglich macht, die Jahre 1933-45 zu verstehen. Nochmals herzlichen Glückwunsch und die besten Wünsche an die Arbeitsgruppe, John & Riva Roberts.“