16.02.2019

Schweigeseminar in Hülsten

Frieda Braun, vielen ihrer Fans in ganz Deutschland aus der Ladies Night im WDR und legendären Tourneen mit Gerburg Jahnke bestens bekannt, gastiert mit ihrem aktuellen Solo-Programm „Sprechpause“ im komplett ausverkauften RekenForum. 370 Frauen und gefühlt 11 Männer sind gekommen, um die schrullige Kunstfigur der ehemaligen Werbetexterin Karin Berkenkopf einmal nicht nur auf der Mattscheibe, sondern live und hautnah auf der Bühne zu erleben. Wie es sich nach gut zwei Stunden herausstellt, gibt es in der Tat eine ganze Menge zu erleben, zu lachen und natürlich auch zu applaudieren.

Frieda Braun, schrullige Kultfigur aus dem Sauerland, begeistert ihre zumeist weiblichen Fans im RekenForum mit Erzählungen über ihre Freundinnen und ein Schweigeseminar in Hülsten.

Frieda und ihre Splittergruppe – insgesamt elf gestandene Frauen – haben beschlossen, anstelle einer Städtetour in diesem Jahr sieben Tage in einer einfachen Herberge in Hülsten und mit Spaziergängen durch die Bauerschaft Stevede zu verbringen. Und zwar ohne zu sprechen - erlaubt sind maximal zehn Worte pro Tag! Das Schweigeseminar, gedacht zur inneren Einkehr, erweist sich für Frieda allerdings als echte Nervenprobe. Schon das allzu gesunde Frühstück mit Ziegenkäse und rätselhafter Saatmischung stößt auf Befremden. Als beim anschließenden Meditieren laute Magengeräusche die Stille zerreißen, ist es mit der Konzentration vorbei.

Mal flink wie ein Wiesel, mal aufgeregt wie eine Henne oder scheu wie ein Feldhase. Frieda hat viele Gesichter, nähert sich diversen Alltagsthemen, aber auch der Erotik mit der ihr eigenen köstlichen Mischung aus Neugier, Verlegenheit und Entrüstung. Ihre Geschichten wimmeln von eckigen Charakteren, die den Miss Marple-Filmen entsprungen sein könnten. Die pingelige s’Thekla zum Beispiel, deren Techtelmechtel mit „Horst“ nach einem André Rieu-Konzert durch ein platzendes Bettwurst-Plagiat aus China jäh beendet wird, oder die laszive s’Viola mit ihrer Vorliebe für heiße Abende scheint man schon nach wenigen Worten und Gesten persönlich zu kennen. Ebenso die männlichen Protagonisten, etwa den Hypochonder Bruno oder den Junggesellen Wilbrecht.

Große Füße und Staubsauger-Roboter, Männer im Renovierungswahn und Frauen im Klammergriff geschickter Verkäuferinnen: Friedas „Sprechpause“ ist ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher Streifzug durch nur manchmal überspitzte Alltagssituationen. Auf einen Nenner gebracht: Kleine Person, gewaltiger Wortwitz. Mal trifft sie mit klaren Worten direkt ins Schwarze, mal nimmt sie so kuriose Umwege, dass sie den roten Faden zu verlieren scheint. Alles Absicht. So oder so. Jedenfalls vergeht kaum eine Minute, in der das Publikum nicht herzhaft lachen muß und froh ist, bei dem begeisternden Auftritt von Frieda Braun alias Karin Berkenkopf in Rekens bester Stube dabei zu sein. (hh)